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Kurs des Unternehmenspapiers durchbrach erstmals 900-Dollar-Marke
Google hatte am Mittwoch einiges zu verkünden: Der Internetkonzern stellte auf seiner Entwicklerkonferenz in San Francisco zahlreiche Änderungen an den unterschiedlichsten Software-Produkten vor. Dazu kam ein Überraschungsauftritt von Firmenchef Larry Page.Aktie zu Handelsschluss bei 915,89 Dollar
Page hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass er an einer seltenen Art von Stimmbandlähmung leidet und daher nur eingeschränkt sprechen kann. Auf der Bühne redete er allerdings eine Stunde lang ohne erkennbare Schwierigkeiten, was den Kurs der Google-Aktie zum ersten Mal überhaupt über 900 US-Dollar schickte. Zum Handelsschluss lag die Aktie bei 915,89 Dollar, das sind fast 50 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Googles Marktkapitalisierung stieg damit zum ersten Mal über 300 Milliarden Dollar.„Ich glaube, ich hätte das eher tun sollen", sagte Page über seine Erklärung vom Dienstag. Er beantwortete die Fragen der etwa 6.000 Software-Entwickler zu Themen wie Datenschutz und die Rolle von Google in den Entwicklungsländern. Neue Hardware wurden im Gegensatz zum Vorjahr, als die digitale Brille Google Glass vorgestellt wurde, nicht präsentiert.
Zu den neuen Software-Produkten gehören ein kostenpflichtiger Musikdienst und ein eigener App-Store für Lehrer. Überwiegend wurden aber Verbesserungen an bereits bestehenden Webdiensten wie Google Maps und der eigenen Suchmaschine verkündet.
900 Millionen "Androiden"
Laut Google sind bereits mehr als 900 Millionen Geräte mit dem mobilen Betriebssystem Android aktiviert worden. Vor einem Jahr waren es nur 400 Millionen, vor zwei Jahren 100 Millionen. Dutzende Hersteller rüsten ihre Smartphones und Tablets mit dem Betriebssystem Android aus, auf dem Umsatz schaffende Google-Produkte wie die Websuche, Youtube und Google Maps bereits vorinstalliert sind.Kritik an Microsoft und Oracle
In seiner Präsentation beklagte Page die „negative" öffentliche Wahrnehmung junger Technologieriesen wie Google, kritisierte aber selbst Microsoft. Das Unternehmen habe den Messenger von Google in seinen Maildienst Outlook integriert, weigere sich aber, sich für Googles Gmail zu öffnen. „Das Web schreitet nicht so schnell voran, wie es sollt", sagte Page.Ein Microsoft-Sprecher sagte am Mittwoch in einer Erklärung: „Es ist schon ironisch, dass Larry sich für Zusammenarbeit ausspricht, wenn sein Unternehmen heute vor Gericht verlangt, die Youtube-App von Windows Phone zu entfernen."
Page kritisierte auch den Softwarehersteller Oracle für seinen Umgang mit Patenten. Ein Gericht hatte im vergangenen Jahr entschieden, dass Google nicht die Rechte an Oracles Java-Patenten verletzt habe. „Geld ist für sie wichtiger, als irgendeine Form von Kooperation zu haben", sagte Page. Eine Oracle-Sprecherin wollte das nicht kommentieren.
Google launcht Streamingdienst
Die wichtigste Neuvorstellung war wohl der Musikdienst von Google, "All Access". Darüber können Nutzer, ähnlich wie beim Konkurrenten Spotify, gezielt einzelne Lieder auswählen oder sich einen eigenen Radiosender einrichten. Dieses Format hatte das Internetradio Pandora geprägt. Im Gegensatz zu Google gibt es von Spotify und Pandora kostenlose, durch Werbung finanzierte Versionen.Zudem weitet Google die sprachgesteuerte Suche, die es bereits auf Mobilgeräten gibt, auf PCs aus. Nutzer können die Suche auf dem Google-Browser Chrome aktivieren, indem sie auf ein Mikrofon-Symbol klicken oder laut „Okay, Google" sagen und dann ihre Suchanfrage äußern.
Laut Google nutzen mehr als 750 Millionen Menschen den Browser Chrome aktiv. Vor einem Jahr waren es 450 Millionen. Sundar Pichai, der für Chrome zuständige Vizepräsident, sprach vom „weltweit beliebtesten Browser". Viele Marktforscher sehen aber bei den Marktanteilen noch den Internet Explorer von Microsoft vorne.
Maps-Update
Der Kartendienst Maps wird anhand früherer Suchanfragen der Nutzer stärker personalisiert. Es werden nahegelegene Geschäfte angezeigt, die von Kontakten im sozialen Netzwerk Google+ empfohlen werden. Unternehmen können ihren Kunden auf dem Kartendienst Coupons anbieten. Wenn ein Nutzer beispielsweise nach einer Starbucks-Filiale in der Nähe sucht und auswählt, bekommt er eventuell gleich einen Rabattgutschein der Kaffeekette angezeigt.Google Maps wird für den Konzern immer wichtiger, da der Dienst stark von Nutzern mit mobilen Geräten verwendet wird. Zudem verdient Google Geld mit den mehr als eine Million Unternehmen, die Maps auf ihren Webseiten und Apps einsetzen.
Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland

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